Dampfschiffe der Schweiz – wo die Belle Époque noch Dampf macht
Fünfzehn Raddampfer, vier Seen, ein Jahrhundert Geschichte
An einem Sommermorgen am Luzerner Bahnhofquai reicht oft schon das Zischen aus dem Maschinenraum, um zu wissen: Heute fährt kein Motorschiff, sondern einer der letzten echten Raddampfer Europas. Die Schweiz besitzt die grösste Flotte fahrtüchtiger Salon-Raddampfer des Kontinents – und sie stehen nicht in einem Museum, sondern im ganz normalen Linienverkehr.
1–5,5 Std. (je nach See)Dauer
ab CHF 28.00Preise
LuzernRoute
Fahrplan
Übersicht Betriebszeiten der historischen Raddampfer 2026Gültig Saisonaler Einsatz je nach See; Details siehe einzelne Betreiber-Fahrpläne
BLS Tageskarte Brienzersee (DS Lötschberg regulär, kein Aufpreis)75.00 CHF
CGN Carte journalière Genfersee (Belle-Époque-Flotte, kein Aufpreis)64.00 CHF
GA (Generalabonnement) — Gilt auf allen regulären Raddampfer-Kursen der SGV, ZSG, BLS und CGN. Bei BLS-Themenfahrten (Feierabendfahrt) ersetzt das GA den Fahrpreis; Menü separat.
Swiss Travel Pass / Swiss Travel Pass Flex — Freie Fahrt auf allen fahrplanmässigen Raddampfer-Kursen (Ausnahme: SGV-Panorama-Yacht Saphir, die aber ohnehin kein Dampfschiff ist).
Halbtax-Abonnement — 50% Ermässigung auf allen vier Betreibern.
Preise sind Richtwerte – aktuelle Preise bei der offiziellen Quelle prüfen.
Zwischen 1901 und 1928 liessen die grossen Seebetriebe der Schweiz ihre Salon-Raddampfer bauen, die meisten davon bei Escher, Wyss & Cie. in Zürich. Ein gutes Dutzend dieser Schiffe fährt bis heute regelmässig: fünf bei der SGV auf dem Vierwaldstättersee, zwei bei der ZSG auf dem Zürichsee, je einer bei BLS Schifffahrt auf dem Thuner- und dem Brienzersee, dazu acht Belle-Époque-Dampfer der CGN auf dem Genfersee – fünf davon noch mit echtem Dampfantrieb, drei auf Diesel-Elektro umgebaut, aber äusserlich unverändert. Diese Seite bündelt die aktiven Dampfschiffe aller vier Betreiber an einem Ort: wo sie fahren, wann ihre Saison beginnt und wie man an Bord kommt, ohne extra dafür zu bezahlen.
Fünfzehn Schiffe, ein Jahrhundert Bauzeit dazwischen – und trotzdem fahren sie im ganz normalen Kursbuch.
Höhepunkte der Fahrt
01
SGV Vierwaldstättersee: 5 Raddampfer im Einsatz, ältester ist die DS Uri von 1901
02
ZSG Zürichsee: 2 Raddampfer, DS Stadt Zürich (1909) und DS Stadt Rapperswil (1914)
03
CGN Genfersee: 8-teilige Belle-Époque-Flotte, weltweit die grösste erhaltene ihrer Art
04
GA und Swiss Travel Pass gelten auf fast allen regulären Dampfschiff-Kursen ohne Aufpreis
Route auf der KarteRoute
Auf dem Vierwaldstättersee setzt die SGV ihre Raddampfer auf ausgewählten Kursen der Grossen Seerundfahrt Luzern–Flüelen ein, ganzjährig, mit stündlichen Sommerabfahrten zwischen 09:12 und 14:12 Uhr. Auf dem Zürichsee übernimmt die ZSG dieselbe Rolle auf der Grossen Seerundfahrt Zürich–Rapperswil, allerdings nur an ausgewählten Terminen des Sommerfahrplans. Die kleineren Seen im Berner Oberland haben je einen fest zugeordneten Dampfer: die DS Blümlisalp pendelt saisonal zwischen Thun, Spiez und Interlaken West, die DS Lötschberg zwischen Interlaken Ost und Brienz – beide vom 3. April (Lötschberg) beziehungsweise 9. Mai (Blümlisalp) bis in den Herbst hinein. Den grössten Auftritt hat die CGN-Flotte auf dem Genfersee: Von Ende April bis Mitte Oktober verkehren bis zu acht Belle-Époque-Schiffe zwischen Genf, Lausanne-Ouchy und Montreux, eingebettet in die regulären Linienkurse.
Service an BordUnterwegs
An Bord der grossen Raddampfer ist wenig nachgebaut: Holzvertäfelte Salons, teils frei einsehbare Dampfmaschinen und Vollservice-Restaurants gehören zur Grundausstattung, etwa bei der DS Blümlisalp und der DS Lötschberg, deren Maschinenraum-Blick zu den Attraktionen zählt. Auf den meisten Schiffen ist das Hauptdeck rollstuhlgängig, Details variieren aber von Dampfer zu Dampfer. Wichtig zu wissen: Die moderne Panorama-Yacht Saphir der SGV auf dem Vierwaldstättersee ist kein Dampfschiff, sondern ein Motorschiff, das 2026 auf Wasserstoffantrieb umgebaut wird – wer einen echten Raddampfer sucht, muss im Fahrplan auf das entsprechende Symbol achten.
Schiffsrestaurant — Vollservice-Restaurant an Bord der grossen Raddampfer (SGV, BLS-Blümlisalp/Lötschberg, CGN Belle-Époque-Schiffe). Reservation bei Themenfahrten empfohlen/obligatorisch.
Historisches interieur — Salon-Raddampfer mit original erhaltenen Salons, Holzvertäfelung und teils Dampfmaschine sichtbar (z.B. DS Blümlisalp, DS Lötschberg).
Rollstuhlgängigkeit — Variiert je Schiff; Hauptdeck bei den meisten Raddampfern zugänglich (z.B. DS Blümlisalp, DS Lötschberg).
Charter / privatfahrten — Alle vier Betreiber bieten die historischen Raddampfer auch für Charterfahrten und Firmenanlässe an.
auf diesen Seen unterwegs
Der Vierwaldstättersee trägt die grösste Raddampferflotte der Schweiz: DS Uri (1901), DS Unterwalden (1902), DS Schiller (1906), DS Gallia (1913) und das Flaggschiff DS Stadt Luzern (1928) verkehren abwechselnd auf der Grossen Seerundfahrt zwischen Luzern und Flüelen. Welcher der fünf konkret fährt, entscheidet sich kurzfristig – im Fahrplan markiert ein kleines Dampfschiff-Symbol die betroffenen Kurse, ein Wechsel auf ein modernes Motorschiff bleibt aber jederzeit möglich.
Kleiner, aber ebenso eigenständig sind die Flotten im Berner Oberland und am Zürichsee: Auf dem Thunersee ist die DS Blümlisalp (1906) der einzige verbliebene Raddampfer, auf dem Brienzersee übernimmt diese Rolle die DS Lötschberg (1914), die 2008 die besondere Auszeichnung von ICOMOS erhielt. Am Zürichsee sorgen DS Stadt Zürich und DS Stadt Rapperswil, beide mit 750 Personen Kapazität, für den historischen Auftritt auf der Grossen Seerundfahrt nach Rapperswil.
Der Genfersee beherbergt die weltweit grösste erhaltene Sammlung von Belle-Époque-Raddampfern: La Suisse (1910, Flaggschiff), Montreux (1904, ältester im Einsatz), Savoie (1914), Simplon (1920) und Rhône (1927) fahren noch mit echtem Dampfantrieb, während Vevey (1907), Italie (1908) und Helvétie (1926) auf Diesel-Elektro umgebaut wurden, ihr historisches Erscheinungsbild aber vollständig bewahrt haben. Die CGN setzt sie zwischen Genf, Lausanne-Ouchy und Montreux ein, mit Zwischenhalten in Nyon, Vevey und beim Schloss Chillon.
Anreise zum Hafen
Anleger
Die Dampfschiffe legen an den Haupt-Schiffstationen der jeweiligen Seen ab: Luzern Bahnhofquai (SGV), Zürich Bürkliplatz (ZSG), Thun Seestrasse 9 (BLS), Interlaken Ost Lanzenen 1 (BLS), Lausanne-Ouchy und Genève Jardin Anglais (CGN).
ÖV
Alle Hauptanleger sind zu Fuss vom jeweiligen Hauptbahnhof erreichbar (5–15 Gehminuten): Luzern HB, Zürich HB (Tram zum Bürkliplatz), Bahnhof Thun, Bahnhof Interlaken Ost, Métro m2 Lausanne-Ouchy.
Die Hauptanleger der vier Betreiber liegen alle in unmittelbarer Bahnhofsnähe. In Luzern legt die SGV am Bahnhofquai ab, wenige Gehminuten vom Bahnhof Luzern. Die ZSG startet in Zürich vom Bürkliplatz, mit Tramanschluss ab dem Hauptbahnhof. BLS Schifffahrt fährt ab der Schiffstation Thun (Seestrasse 9, direkt gegenüber dem Bahnhof) sowie ab Interlaken Ost (Lanzenen 1). Die CGN-Belle-Époque-Schiffe legen unter anderem in Lausanne-Ouchy (Métro m2 ab Bahnhof Lausanne) und in Genf am Jardin Anglais ab. Da der genaue Tageseinsatz der einzelnen Dampfschiffe wetter- und wartungsbedingt kurzfristig wechseln kann, lohnt sich vor der Fahrt ein Blick auf die Website des jeweiligen Betreibers.